Die regionale GDI

Herr Meier, unser Bauamtsleiter in Groß-Kleinstadt, konnte seinen Chef überzeugen: Der Aufbau einer GDI ist sinnvoll und soll vorangetrieben werden!

Herr Meier erhält also den Auftrag, alle dafür notwendigen Informationen zusammenzutragen.

Je länger sich unser Bauamtsleiter jedoch in die Materie einarbeitet, umso größer wird der Stapel an Dingen, die beim Aufbau einer Geodateninfrastruktur berücksichtigt werden müssen.

Technische Voraussetzungen, rechtliche Rahmenbedingungen, Vorgaben zum Datenschutz sowie eine sinnvolle Struktur: Dies und mehr wird benötigt - vom Aufbereiten für die politischen Entscheidungsträger ganz zu schweigen.

Da Herr Meier ein solches Projekt nur mit sehr viel Zeit und Geld alleine stemmen könnte und andere Institutionen in seiner Region vor genau derselben Aufgabe stehen, beschließt er, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen.

Vorteile Arbeitsgemeinschaft

Der Aufbau einer GDI bietet viele Vorteile für die Nutzung von Geodaten. Allerdings sind bei der Schaffung der entsprechenden Infrastruktur nicht nur die technischen Aspekte wichtig - auch auf die Frage nach der richtigen Herangehensweise kommt es an: Beschäftige ich mich mit dem Thema GDI alleine oder doch besser in einer Kooperation mit anderen?

Hierbei gilt eine einfache Formel: "Gemeinsam sind wir stark!"

Mehrwert und Nutzen einer Geodateninfrastruktur sind für alle beteiligten Akteure dann am größten, wenn man sich bereits im Vorfeld zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschließt. 

Vorteile Arbeitsgemeinschaft

Die GDI-Südhessen ist hierfür ein gutes Beispiel. Darin haben sich unterschiedliche Landes- und kommunale Verwaltungen sowie Verbände aus Südhessen zusammengetan.

Eine Hauptmotivation war und ist es, eine einfache und praktikable Möglichkeit zu schaffen, die europäischen Vorgaben aus der INSPIRE-Richtlinie auf kommunaler Ebene umzusetzen.

Schließlich gibt diese Richtlinie vor, welche kommunalen Fachdaten zur Verfügung gestellt und veröffentlicht werden müssen. Hierzu zählen zum Beispiel Verkehrsnetze oder Daten zur Verteilung der Bevölkerung.

Vorteile einer regionalen GDI

  • einfache und praktikable Umsetzungsmöglichkeit der
    INSPIRE-Richtline auf kommunaler Ebene
  • Schaffung einheitlicher Strukturen
  • Aufbau einer gemeinsamen Wissensbasis
  • Förderung regionaler Zusammenarbeit

Bei einem Zusammenschluss zu einer regionalen GDI werden aber auch weitere Synergien erzielt: Es werden einheitliche Strukturen für eine ganze Region geschaffen, was die Einbindung in übergeordnete GDIs vereinfacht. Außerdem kann eine gemeinsame Wissensbasis aufgebaut und genutzt werden.

Zu guter Letzt kann eine solche Arbeitsgemeinschaft die regionale Zusammenarbeit nachhaltig fördern.

Damit die Organisation einer regionalen GDI gelingen kann, müssen wir uns zunächst einmal die unterschiedlichen Akteure und deren Rollen innerhalb einer GDI näher ansehen.

Akteure einer GDI - ein Beispiel aus Hessen

Icon Hessische Verwaltung für Bodenmanagement

Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

Icon allgemeine Landesverwaltung

sonstige Landesverwaltungen

Icon Landkreise und Kommunen

Landkreise, Kommunen und Kommunalverbände

Icon Dienstleistungsunternehmen und Ingenieurbüros

Dienstleistungsunternehmen und Ingenieurbüros

Icon Energieversorgungsunternehmen

Energieversorgungsunternehmen

Icon Kommunale Eigenbetriebe

Kommunale Eigenbetriebe

Icon Bürger

Bürger

Die Akteure einer GDI können sich aus verschiedenen Gruppen zusammensetzen. Hierzu zählen die öffentliche Verwaltung, die Wirtschaft und die Wissenschaft, aber auch Privatpersonen, also die Bürgerinnen und Bürger. Für das folgende Beispiel werden sieben GDI-Teilnehmer definiert:

  • die Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation,
  • die sonstigen Landesverwaltungen,
  • Landkreise, Kommunen und Kommunalverbände,
  • Dienstleistungsunternehmen und Ingenieurbüros,
  • Energieversorgungsunternehmen,
  • kommunale Eigenbetriebe sowie
  • die Bürger.

Rollen in einer GDI

Fast alle GDI-Teilnehmer können bis zu vier unterschiedliche Rollen innerhalb einer Geodateninfrastruktur einnehmen. Diese Rollen heißen:

  • Anbieter - dieser stellt Geodaten bereit,
  • Nutzer - dieser nutzt die vorhandenen Geodaten,
  • Dienstleister - dieser verarbeitet Geodaten weiter, ohne sie selbst zu besitzen, sowie
  • Vermittler - dieser ist das Bindeglied zwischen Anbietern und Nutzern.

Basiskomponenten einer GDI

Darüber hinaus besteht eine GDI aus vier Basiskomponenten. Diese sind:

  • Daten - also die Geobasisdaten, Geofachdaten und Metadaten selbst,
  • Dienste - also Schnittstellen, über die Geodaten abrufbar gemacht werden,
  • Anwendungen - also Software-Lösungen zur Nutzung und zum Vertrieb von Geodaten sowie
  • Informationen - also Auskünfte und allgemeine Beschreibungen rund ums Thema GDI.

Rollenmodell der GDI-Südhessen

Je nach Basiskomponente nimmt jeder Akteur eine bestimmte Rolle ein - oder eben nicht. In der Anfangsphase der GDI-Südhessen half die folgende Matrix den Projektbeteiligten, sich ihrer möglichen Rollen bewusst zu werden: Links stehen die vier Basiskomponenten, oben sehen wir die unterschiedlichen Rollen, die ein GDI-Teilnehmer einnehmen kann. Die Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation ist als Anbieter von Geodaten in allen vier Basiskomponenten vertreten; ebenso die sonstigen Landesverwaltungen, die Landkreise, Kommunen und Kommunalverbände, die Energieversorgungsunternehmen sowie die Wohnungsbaugesellschaften. Die Dienstleistungsunternehmen hingegen bieten zwar Dienste, Anwendungen und Informationen an, besitzen aber selbst keine Daten, die sie anbieten könnten. Deshalb nehmen sie hier keine Rolle wahr. Die Bürger wiederum spielen nur bei den Komponenten "Daten" und "Dienste" eine Rolle - mit der Bereitstellung von Anwendungen und Informationen für beziehungsweise über Geodaten haben sie nichts zu tun. Anders sieht es bei der Nutzung von Diensten, Anwendungen und Informationen aus. Hier spielen die Bürger sehr wohl eine Rolle - ebenso wie alle anderen Akteure mit Ausnahmen der Dienstleistungsunternehmen. Diese nutzen lediglich das Informationsangebot rund ums Thema Geodaten. Hingegen sind die Dienstleistungsunternehmen und Ingenieurbüros sowie die Energieversorgungsunternehmen in der Rolle als Dienstleister und Vermittler präsent. Kurzum: Das Rollenmodell einer Geodateninfrastruktur ist relativ komplex. Ein Grund mehr, warum es beim Aufbau einer GDI sinnvoll ist, sich richtig zu organisieren und zusammenzuschließen, um allen Akteuren gerecht zu werden.

Organisationsform einer GDI

Unterschiedliche Rechtsformen sind möglich:

  • Verein
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Zweckverband
  • öffentlich-rechtlicher Vertrag

Damit alle Beteiligten am Aufbau einer GDI auf einer verlässlichen gemeinsamen Grundlage agieren können, sollte eine verbindliche Organisationsform gewählt werden. Das Vertragsrecht bietet hier viele Möglichkeiten - unter anderem den Verein, die GmbH, den Zweckverband oder den öffentlich-rechtlichen Vertrag.

Welches Modell das am besten Geeignete ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Jede Rechtsform bietet Freiheiten, aber auch Einschränkungen.

Die Vertragspartner der Arbeitsgemeinschaft GDI-Südhessen wünschten sich eine schnelle Gründung und viel Flexibilität. Da der Arbeitsgemeinschaft bei ihrer Gründung ausschließlich Körperschaften des öffentlichen Rechts angehörten, wählte man hier die Rechtsform des öffentlich-rechtlichen Vertrags.

Organe der GDI-Südhessen

Die Arbeitsgemeinschaft selbst besteht aus drei Organen:

Oberstes Organ ist das Plenum. Ihm gehören die Landräte der Mitgliedskreise sowie die Oberbürgermeister der Mitgliedsstädte und die Vertreter des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain an. Der Leiter des Amtes für Bodenmanagement Heppenheim sowie weitere Vertreter der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation sind ebenfalls Mitglieder des Plenums.

Das Plenum tritt mindestens ein Mal im Jahr zusammen, beschließt die Arbeits- und Finanzplanung, beruft Fachgruppen ein und wählt einen dreiköpfigen Lenkungsausschuss. Dieser führt die Geschäfte der Arbeitsgemeinschaft.

Der Lenkungsausschuss sorgt für die Koordinierung und Steuerung der GDI-Südhessen. Außerdem übernimmt er die fachpolitischen Abstimmungen und tauscht Erfahrungen mit anderen GDI-Initiativen aus.

Zur Erledigung seiner Aufgaben bedient sich der Lenkungsausschuss einer Geschäftsstelle. Diese ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt der GDI-Südhessen. Die Geschäftsstelle sorgt für die Informationsweitergabe und berät die Vertragspartner in technischen und organisatorischen Fragen. Außerdem betreibt sie das Internetportal www.gdi-suedhessen.de.

Die Fachgruppen entwickeln unter anderem die Geschäftsprozesse, Spezifikationen und Umsetzungsvorschläge der GDI-Südhessen.

Finanzierungsmodell der GDI-Südhessen

  • Bestehend aus Finanzplan und Arbeitsplan
  • Finanzplan: jedes Jahr neu
  • Arbeitsplan: wird am Finanzplan ausgerichtet und enthält Ziele und Arbeitspakete

Zur Finanzierung der Arbeitsgemeinschaft hat man ein Modell entwickelt - bestehend aus einem Finanzplan und einem Arbeitsplan.

Der Finanzplan wird in jedem Jahr neu erstellt und der Arbeitsplan daran ausgerichtet.

Der Arbeitsplan enthält eine genaue Zusammenstellung aller Ziele und definiert alle erforderlichen Arbeitspakete auf dem Weg dorthin. Er ist die Grundlage für die Arbeit in den Fachgruppen.

Kostenübernahme der GDI-Südhessen

  • Land Hessen trägt die Geschäftsstelle inkl. Räumlichkeiten und Personal.
  • Technische und beratende Dienstleistungen tragen die übrigen Vertragsbeteiligten.

Auch für die Übernahme der Kosten wurde eine Regelung getroffen.

So trägt das Land Hessen die Geschäftsstelle und stellt hierfür Räumlichkeiten sowie das Personal und die erforderliche Infrastruktur zur Verfügung.

Die übrigen Vertragsbeteiligten übernehmen die Kosten für die anfallenden technischen und beratenden Dienstleistungen.

Schutz von Geodaten

Ein weiterer zentraler Punkt beim Zusammenspiel mehrerer Akteure ist das Thema Datensicherheit - schließlich sollen mithilfe von GDIs Geodaten auch via Internet der Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden. Am sichersten wären Geodaten vermutlich in einem Tresor aufgehoben - doch damit wäre das Ziel einer GDI, nämlich Geodaten zugänglich zu machen, nicht erreicht. Also muss der Umgang mit Geoinformationen so organisiert sein, dass die Daten selbst nicht verfälscht werden können und dass sensible Informationen nur bestimmten Nutzern zugänglich sind. Zum Thema Datensicherheit gehören aber auch die Aspekte Ausfallsicherheit, Integrität, Lizenzen und Urheberrechte. Hierfür gibt es allerhand wirksame technische Sicherheitsmechanismen, wie zum Beispiel Benutzer- und Zugriffsverwaltungen. Allerdings sind auch organisatorische Sicherheitsmaßnahmen zu treffen: Dazu zählen der Einsatz geschulten Personals sowie die regelmäßige Überprüfung aller eingesetzten Komponenten. Auf die technischen Rahmenbedingungen zur Gewährleistung einer möglichst hohen Datensicherheit innerhalb einer GDI wird im Info-Modul "Voraussetzungen einer GDI" näher eingegangen.